Warum Simulation?

Niemand würde mit einem Flugzeug fliegen, bei dem bekannt ist, dass der Pilot und die Crew die typischen zu erwartenden (wenn auch seltenen) Notfallsituationen noch nie geübt haben. Allerdings würde auch kein Verantwortlicher einer Fluggesellschaft ein solches Team starten lassen. Deshalb hat die Luftfahrt Anfang der 70er-Jahre, nachdem festgestellt werden konnte, dass in 70–80% aller Flugzeugabstürze menschliches (Fehl-)Verhalten, derHuman Factor, die Hauptursache war, den Begriff des Cockpit (später Crew) Resource Management geprägt.
In der Medizin ist es hingegen normal, dass alle oder Teile des Teams bestimmte Notfallsituationen noch niemals zuvor gemeinsam erlebt oder trainiert haben. Hier findet erst in den letzten Jahren zunehmend ein Umdenken statt. Mitte der 90er entwickelten Gaba und Howard ein dem CRM der Luftfahrt analoges Konzept für die Anästhesie und nannten es folgerichtig „ACRM – Anaesthesie Crisis Resource Management“.
Ein Meilenstein für die Patientensicherheit und Simulation in der Medizin war die Veröffentlichung des Institute of Medicine (IOM) „To Err is Human: Building a Safer Health System“ im Jahre 2000. Hier wurden erstmals Zahlen genannt (Fehler in der Medizin sind als Todesursache in den USA bedeutender als Unfälle, AIDS etc.). Dies führte auch zu einem Umdenken in der Fehlerkultur bei uns. Nachdem CRM und Risikomanagement in den letzten Jahren auch in andere Bereiche der Medizin Einzug fanden, wird heute CRM in der Medizin mit Crisis Resource Management umschrieben.
 
Im Medizinstudium eignen sich angehende Ärzte viel Wissen an, lernen aber nur wenig gemeinsames Handeln. Gleiches gilt für die Ausbildung in Pflegeberufen oder dem Rettungsdienst. So gut die theoretische und praktische Ausbildung im Einzelnen jeweils auch ist – das Arbeiten im Team und die reibungslose Verständigung mit den Kollegen in Stresssituationen lernen die meisten erst während ihrer Praxiszeit, also am Patienten. Ein Großteil der Behandlungsfehler geht somit auch auf „menschliche Fehler“, Fehleinschätzungen in der Diagnostik, sowie unzureichende Kommunikation
des medizinischen Personals während der Behandlung zurück.
Um hier nachhaltig, effektiv und realitätsnah üben und lernen zu können, haben sich Simulationstrainings mit Patientensimulatoren als die geeignetste Form erwiesen.
Im medizinischen Bereich können Ärzte und medizinisches Personal mit Simulatoren wertvolle Praxiserfahrung sammeln, ihre Kommunikationsabläufe in realistischen Stresssituationen einüben und sich auf seltene Notfälle wie z.B. bei Neugeborenen oder polytraumatisierten Patienten vorbereiten.

Simulationszentrum Rems Murr

Das Simulationszentrum Rems-Murr bietet Trainings für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen an. Dabei richtet sich das SRM mit seinen Schulungen an das gesamte Team, welches in der Praxis oder in der Klinik zusammenarbeitet: Ärzte aller Stufen der Weiterbildung sowie Pflege - und Assistenzpersonal. Das Training am Patientensimulator hat sich - ähnlich dem Stresstraining von Flugzeugpiloten oder Rennfahrern - als die geeignetste Form erwiesen, um nachhaltig, effektiv und realitätsnah Zwischenfall-Management zu trainieren. Durch das Simulationstraining können die Teilnehmer wertvolle Praxiserfahrung sammeln, die Kommunikationsabläufe in realistischen Stressituationen üben, damit die Teamarbeit fördern und so kritische Situationen frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren.

 

Die methodischen Schwerpunkte beinhalten die Arbeit in Kleingruppen, ausführliche Nachbesprechung (Debriefing) mit Hilfe von Videoanalyse und Unterstützung durch theoretisches Begleitmaterial.